topbild5.jpg
  Der Steinmarder ist bei uns die häufigste Art der Familie Marder. Er lebt in halboffenen Landschaften mit Weilern und Einzelgehöften, Wiesen und Kulturland, in bewaldeten Gebieten und Siedlungen. Dennoch sind Begegnungen mit dem Steinmarder selten und immer überraschend. Wer spätabends von einer fröhlichen Runde heimkehrt oder sehr früh zur Arbeit geht, hat die grössten Chancen. Was wir dann gerade noch erkennen, ist ein langgestrecktes Tier, das sich blitzschnell von einer Deckung zur andern bewegt. Weitere Merkmale sind wenig hilfreich; wer wird nachts schon erkennen, dass der Nasenspiegel rosa bis hellbraun ist, dass die Sohlenballen fast kahl sind?

Der Steinmarder trat ins Scheinwerferlicht, weil er uns immer näher kam, zu nahe. Während der Ranzzeit, Ende Juni bis Mitte August, durch kratzende Geräusche, Schreie, Herumpoltern in Estrichen, Dachstöcken und Scheunen. Er richtet sich gern in Isolationen ein, platziert an exponierten Stellen seinen Dreck und schleppt auch mal einen kleinen Liebling weg, z. B. ein Meerschweinchen. Für einen Carnivoren (= Fleischverzehrer) ist das Nahrungsspektrum sehr breit: kleine Säugetiere, Beeren und Früchte, Regenwürmer, Insekten, Vögel und deren Eier.

Im Jahre 1978 häuften sich in Winterthur Anzeigen gegen unbekannt wegen Schäden an Autos. Die polizeiliche Überwachung identifizierte nicht einen Autohasser als Täter, sondern den Steinmarder. Da in jener Zeit die Zahl der Fahrzeuge stark zugenommen hatte, wurden auch Autos in den Alltag dieses neugierigen Tiers einbezogen, und als Spielzimmer, Unterschlupf und für Markierungen genutzt. Besonders lästig wurde die Unsitte, Kabel, Schläuche und Isolationen zu zerbeissen.Studien können diesen Tick noch nicht abschliessend erklären. Vielleicht ist es bloss Ausdruck des natürlichen Erkundungs- und Spielverhaltens. Vor allem junge Marder untersuchen ihre Umgebung und testen alles mit den Zähnen. Das ist auch von anderen Raubtierjungen bekannt: Hundewelpen zerbeissen alles, was weich ist und dennoch einen gewissen Widerstand bietet.

Begegnungen mit Steinmardern sind meist zufällig und unerwartet, weshalb wenig gute Fotos zu finden ist.
Der Illustrator Ueli Iff aus Bern hat das Wesen des Steinmarders trefflich festgehalten.


29.11.2017  Christoph Vogel-Baumann

 

-