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Dachs  Foto: Hans Althaus

Nachts im Wald, da ist allerlei los: Käfer und Spinnen suchen am Boden nach Nahrung, Nachtfalter fliegen und müssen sich in Acht nehmen vor Fledermäusen. Rehe und Wildschweine, Eulen, Fuchs, Dachs und Marder sind unterwegs. Mit vielfältigen Anpassungen können sie sich in der Dunkelheit orientieren. Vielleicht hilft uns der nahe Vollmond, die nächtlichen Waldbewohner besser zu sehen.

Warum Katzenaugen nachts leuchten
Fährt man mit dem Auto nachts durch die Gegend, leuchtet plötzlich am Strassenrand im Scheinwerferlicht ein Augenpaar auf: Eine Katze, ein Reh oder ein Fuchs? Solche Rückstrahler kennen wir als «Katzenauge» von unserem Velo. Mit einer Art Spiegel im Augenhintergrund werden die eintreffenden Lichtstrahlen reflektiert und nochmals auf die Sinneszellen der Netzhaut zurückgestrahlt. Dies bewirkt das charakteristische Aufleuchten der Augen angestrahlter Tiere in der Dunkelheit. Insgesamt sind Katzenaugen sechsmal lichtempfindlicher als die der Menschen. Ähnliche Restlichtverstärker benutzen Forscher, Jäger und die Armee bei ihren Nachtsichtgeräten. Tagsüber sind die Pupillen der Katze zu schmalen Schlitzen verengt, während sie in der Nacht gross und rund geöffnet sind.
Nachttiere haben meist auch grosse Augen, wie etwa die Eulen und die Haselmaus. So kann mehr Licht aufgenommen werden.

Fuchs und Dachs: Meisterriecher mit exzellentem Gehör
Der Geruchssinn von Fuchs und Dachs sind ähnlich ausgeprägt wie bei gut ausgebildeten Spürhunden. Ein totes Tier kann auf grosse Distanz geortet werden.
Die Augen des Dachses sind klein für ein nachtaktives Tier, und deshalb vertraut er eher seinem Gehör und seinem Geruchssinn. Farben erkennt er nicht gut und wirklich scharf sehen kann er nur, was sich in unmittelbarer Nähe befindet.
Dachs und Fuchs sind vorwiegend nachts unterwegs, nicht nur im Wald, sondern auch im Siedlungsgebiet: Während der Fuchs in Komposthaufen und Abfallsäcken nach Fressbarem sucht, gräbt der Dachs in den Gärten Löcher in den Boden auf der Suche nach Engerlingen und Würmern. Tagsüber kommen diese Tiere fast nur im Frühsommer aus ihrem Bau. Dann warten dort eine Schar hungriger Jungtiere auf Nahrung.

Mit den Ohren sehen
Eine besondere Anpassung an die Dunkelheit haben Fledermäuse. Sie senden Rufe im Ultraschallbereich aus und nutzen sie zur Orientierung und zum Auffinden ihrer Beute. Da ihre Rufe im Ultraschallbereich liegen, sind sie für unser Ohr nicht hörbar. Erst über technische Geräte, wie etwa den "Batdetektor", der in mancher Fledermausnacht vorgeführt wird, werden die Fledermausschreie für uns hörbar: Verlangsamt und "tiefergelegt" können wir die kurzen Rufe wahrnehmen, die in der Nacht erschallen.
Auch Zugvögel sind nachts unterwegs
Die meisten Insekten fressenden Langstreckenzieher unter den Zugvögeln, wie z. B. die Grasmücken oder der Kuckuck, fliegen nachts. So gewinnen sie Zeit für die Nahrungssuche am Tag. Sie fliegen einzeln, aber bleiben durch Flugrufe in Kontakt mit Artgenossen. Oft lassen sich diese Vögel beim Durchflug vor dem Vollmond beobachten.

Blüten in der Nacht
ie meisten Pflanzen schliessen ihre Blüten, wenn es Nacht wird. Eine Ausnahme bildet die Nachtkerze. Wenn es dämmert öffnet, sie ihre bis 10 cm grossen leuchtend gelben Blüten im Zeitlupentempo. Wie Laternen leuchten nun die prächtigen Blütenstände. Gegen Mittag des folgenden Tages schliesst sich die Blüte und fällt später ab. Am Abend öffnet sich bereits die nächste. Ihr leichter Parfümgeruch lockt die Nachtfalter an. Die Pflanze wächst gerne auf Pionierböden. Nachtkerzen sind eine Zierde für jeden Garten, da sie vom Juli bis in den Oktober blühen. Im Winter besuchen Erlenzeisige gerne die dürren Blütenstände und fressen die kleinen schwarzen Samen.

Text & Fotos: Hans Althaus
 
 
 
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Der Star mit seinem schillernden Gefieder schliesst sich im Herbst zu grossen Schwärmen zusammen. Bevor diese aber ihre Überwinterungsplätze im Mittelmeergebiet anfliegen, ziehen sie auf gemeinsamer Futtersuche durch ganz Mitteleuropa bis nach Südengland.
 
In jeder Minute ziehen irgendwo auf der Erde Vögel. Alljährlich sind weltweit rund 50 Milliarden Zugvögel unterwegs! Ihre Flugrouten umspannen praktisch die gesamte Oberfläche unseres Planeten wie ein Netz. Die Zugvögel entfliehen im Herbst aber nicht der Kälte, sie weichen kommenden Nahrungsengpässen aus.

Wenn ziehende Vögel jeweils Anfang Oktober von Tausenden begeisterter Naturfreunde beobachtet werden, dann ist wieder «EuroBirdwatch – Internationaler Zugvogeltag». Daran beteiligt sind in diesem Jahr 30 BirdLife Partnerorganisationen aus Europa und Zentralasien. In der Schweiz betreuen 56 Vereine einen Beobachtungsstand, einer steht am nächsten Sonntag beim Pflegeheim Sennhof in Vordemwald. Hier erwarten Sie Fachleute mit feinster Optik und viel Wissen über die Biologie der Zugvögel. Gemeinsam beobachten wir diese einzigartige Flugschau, bestimmen die durchziehenden Vogelarten und erfassen sie auch zahlenmässig. Alle Beobachtungen werden anschliessend schweiz- sowie europaweit statistisch erfasst. Sind Sie in diesem Jahr auch dabei?

Internationaler Zugvogeltag
Sonntag, 1. Oktober 2017, ab 09:00 bis ca. 16:00 Uhr
Beobachtungsstand beim Pflegeheim Sennhof in Vordemwald, neben dem Turm an der Nordfassade
Leitung: Kennerinnen und Kenner der IG Natur Region Zofingen
Direkter Bus stündlich XX:08 Uhr ab Bahnhof Zofingen; Anmeldung ist nicht notwendig
 
Text & Foto Adrian Wullschleger

 

 

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 Der Eichelhäher, der bunteste der Europäischen Rabenvögel löscht gerade seinen Durst - Foto: Beat Rüegger, ornifoto.ch


Bei Überfluss an Nahrung legen Eulen, Spechte, Meisen, Kleiber und Rabenvögel Vorräte an. In dieser «Disziplin» hat es der Eichelhäher zu grosser Meisterschaft gebracht. Er versteckt Baumfrüchte einzeln und tarnt sie sorgfältig. Stets ist er darauf bedacht, dass ihm niemand zuschaut. So verhindert er, dass Artgenossen heimlich seine Verstecke plündern. Je nach Angebot lagert der Eichelhäher auch Haselnüsse, Buchnüsschen und Esskastanien ein.

Die Eichelsaison dauert nur etwa drei Wochen. Dann sammelt und vergräbt jeder Eichelhäher 3000 bis 5000 Eicheln! Die Vorräte werden im Winter und Frühling regelmässig genutzt und oft noch zum Füttern grosser Nestlinge eingesetzt. Die Verstecke werden selbst noch unter einer Schneedecke von 40 cm gefunden! Wie sich der Eichelhäher Tausende von Verstecken merken kann, ist noch nicht geklärt.

Die Beobachtung von Eicheln fressenden Hähern verleiteten Forstkreise vergangener Jahrhunderte dazu, diesen Waldvogel als Schädling zu diffamieren und intensiv zu bejagen. Das Gegenteil ist richtig: Eicheln, welche nicht gefunden oder genutzt werden, keimen aus und wachsen zu neuen Bäumen heran. Dabei hatte das bereits der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) beobachtet. Nun wird dieser Vogel wieder als das geschätzt, was er ist: ein Forstgehilfe.

Der einst scheue Waldvogel hat sich in den letzten Jahrzehnten ins Siedlungsgebiet vorgewagt und zeigt auch hier kurzweiliges Tun. Allen bekannt ist der rätschende Ruf, der Gefahr anzeigt. Dabei unterscheidet er zwischen lauten Familien und Sportlern einerseits und verdächtig schleichenden Ornithologen, Jägern und Fotografen. Erstere lässt er unbehelligt, letztere verpetzt er mit heiserem Schrei. Wenn sich Eichelhäher unbeobachtet fühlen, geben sie sich ausgiebiger Körperpflege hin. Dazu gehört Baden in seichtem Wasser und ab und zu ein Sonnenbad. Beim Einemsen (Emse = Ameise) setzt sich der Eichelhäher in einen Ameisenhaufen, spreizt das Gefieder und lässt Ameisen hinein krabbeln. Oft greift er Ameisen mit dem Schnabel und streicht damit übers Gefieder. So bekämpft er Lästlinge mit Ameisensäure. Von der Nachahmung wird dringend abgeraten!

Christoph Vogel-Baumann

 

 

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Grosses Heupferd (alle Bilder Karin Schneider)

Biodiversität ist hörbar
In blumenreichen, nach Süden geneigten Wiesen ist im Hoch- und Spätsommer ein Knistern, Wetzen, Knacken, Schnarren und Zischen hörbar. Je artenreicher und vielfältiger ein Lebensraum ist, desto reicher ist auch der Insektengesang. Zu hören sind meist Heuschrecken-Männchen, die ein Weibchen für sich gewinnen wollen. Bei den Langfühlerschrecken, dazu gehört auch die Feldgrille, reiben die Männchen die Vorderflügel gegeneinander.

GC: Heuschrecke im Logo eines Fussballclubs
Ende Juni verstummt die Feldgrille allmählich, dann beginnt das Grüne Heupferd zu singen. Dieser «Grasshopper» sitzt beim Singen meist kopfüber, dann trägt der Gesang weiter. Das oft bis nach Mitternacht zu hörende tz-tz-tz-tz-tz-tz … ist in ruhigen Nächten bis 100 Meter weit zu hören. Sobald ein Weibchen in die Nähe kommt, stimmt das werbende Männchen einen etwas leiseren, eindringlichen Lockgesang an. Das Grüne Heupferd ist eine der grössten und attraktivsten Heuschrecken Mitteleuropas. Es lebt an Waldrändern, in Hecken, Getreidefeldern und naturnahen Wiesen sowie in Gärten und Parks mitten Städten.

Verborgene Lebensweise
Sitzt das knallgrüne Insekt in einem Busch, ist es trotz des verräterischen Gesangs kaum zu entdecken. Zufällig bei der Gartenarbeit oder bei einer Wanderung aufgeschreckt, fliegt diese Schrecke leise raschelnd auf und steuert gezielt ein Gebüsch oder hohe Stauden an. Gefährlich wird das Grüne Heupferd für Raupen, Fliegen und andere Insekten, auf die sie Jagd macht, sogar für andere Heuschrecken! Mit dem Legebohrer legt das Weibchen etwa 100 Eier in den lockeren Boden. Im Herbst sterben die erwachsenen Tiere, und das kurze Leben der erwachsenen Schrecke ist bereits zu Ende. Frühestens nach zweimaliger Überwinterung schlüpfen die Larven. Diese sehen aus wie Mini-Heupferde, die Flügel sind in diesem Stadium noch nicht entwickelt. Bei jeder Häutung haben die Heupferdchen einen Wachstumsschub. Nach der siebten und letzten Häutung werden die Heupferde erwachsen, und dann entfalten sich auch die Flügel.

Wer einen Garten mit einheimischen Gehölzen, Stauden und Kräutern anlegt, fördert damit ein reiches Leben an Kleintieren. Davon wiederum profitiert das Grüne Heupferd. So kann auch die Kleingärtnerin und Kleingärtner auf kleiner Fläche Pferdehaltung betreiben …

Text: Christoph Vogel 

 

 

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