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Die kalte Jahreszeit mit kurzen Tagen, Schnee und Nahrungsmangel stellen unsere Wildtiere vor grosse Probleme. Mit raffinierten Anpassungen haben sie sich darauf eingestellt:

Abtauchen vor Kälte
Kröten, Frösche, Eidechsen und Molche verbringen den Winter in einem frostsicheren Versteck im Boden. Als wechselwarme Tiere fallen sie bei tiefen Temperaturen in einen Starrezustand. Ihr Sauerstoffbedarf ist so gering, dass ein Frosch als Lungenatmer sogar am Grund eines Weiher überwintern und nur über die Haut Sauerstoff einatmen kann.

Den Winter verschlafen
Igel, Haselmäuse und Siebenschläfer sind echte Winterschläfer. Im Herbst legen sie sich einen körpereigenen Fettvorrat an. Dann werden alle Körperfunktionen heruntergefahren: Die Körpertemperatur beträgt nur noch wenige Grad, das Herz schlägt gerade noch fünf Mal pro Minute. Erst bei Aussentemperaturen von über 10 Grad erwachen sie wieder. Neuste Forschungen haben ergeben, dass Siebenschläfer sogar bis zu 11 Monate im Jahr im Winterschlaf verbringen, falls sie im Herbst ihren Bauch mit Speck in Form von Buchnüsschen angereichert haben.

Winterruhe
Eichhörnchen und Dachs machen zwar keinen Winterschlaf, aber wenn es kalt wird, schlafen sie zwischendurch bis zu zwei Wochen ohne Unterbruch. Dazwischen suchen Eichhörnchen nach ihren Nüssen, welche sie im Herbst an verschiedenen Stellen vergraben haben.

Wintergäste aus dem Norden
Während im Winter viele unserer Tiere sich verkriechen, schlafen und ruhen, bekommen wir Besuch von Gästen aus Russland und Skandinavien, welche den langen Nächten und der grossen Kälte im hohen Norden ausweichen. Unsere Seen bevölkern dann jeweils Tausende Reiher-, Kolben- und Tafelenten. Und in unseren Wäldern suchen Bergfinken nach Buchnüsschen. Wenn wie 2016 ein gutes Buchenmastjahr zu verzeichnen ist, kann zu invasionsartigen Einflügen von Millionen von Bergfinken kommen, was aber zum Bedauern der Vogelliebhaben leider ausblieb.

Winterharte zarte Falter
Wenn im Februar die ersten Sonnenstrahlen unsere Waldränder erwärmen, kann man bereits die ersten Schmetterlinge fliegen sehen. Wie können so zarte Wesen den strengen Winter überdauern? Ein Frostschutz im Blut ermöglicht es dem Zitronenfalter, Temperaturen bis zwanzig Grad unternull zu überstehen. Erstaunlich, da sonst die meisten Insektenarten in Form von Eiern, Larven oder Puppen gut geschützt im Boden überwintern.

Deckel drauf
Im Herbst verkriecht sich die Weinbergschnecke im Boden und macht mit einem festen, luftdurchlässigen Kalkdeckel ihre Haustüre zu. Ihr Körper scheidet alles überflüssige Wasser aus und reichert die Körperflüssigkeit mit Frostschutzmittel an.

Nicht stören bitte
Während das Reh im Sommer ein Feinschmecker ist, muss es im Winter mit schmaler Kost vorlieb nehmen. Das Futterangebot umfasst vor allem Brombeeren, sowie Knospen und Zweige. Diese Nahrung ist schwer zu verdauen und enthält wenig Nährstoffe. Die Tiere bewegen sich deshalb so wenig wie möglich, zudem ist das Vorwärtskommen bei hohem Schnee mühsam. Deshalb ist es angebracht, im Winter als Spaziergänger auf den Wegen zu bleiben und freilaufende Hunde an die Leine zu nehmen.

 

Text & Fotos Hans Althaus

 

 

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  Der Steinmarder ist bei uns die häufigste Art der Familie Marder. Er lebt in halboffenen Landschaften mit Weilern und Einzelgehöften, Wiesen und Kulturland, in bewaldeten Gebieten und Siedlungen. Dennoch sind Begegnungen mit dem Steinmarder selten und immer überraschend. Wer spätabends von einer fröhlichen Runde heimkehrt oder sehr früh zur Arbeit geht, hat die grössten Chancen. Was wir dann gerade noch erkennen, ist ein langgestrecktes Tier, das sich blitzschnell von einer Deckung zur andern bewegt. Weitere Merkmale sind wenig hilfreich; wer wird nachts schon erkennen, dass der Nasenspiegel rosa bis hellbraun ist, dass die Sohlenballen fast kahl sind?

Der Steinmarder trat ins Scheinwerferlicht, weil er uns immer näher kam, zu nahe. Während der Ranzzeit, Ende Juni bis Mitte August, durch kratzende Geräusche, Schreie, Herumpoltern in Estrichen, Dachstöcken und Scheunen. Er richtet sich gern in Isolationen ein, platziert an exponierten Stellen seinen Dreck und schleppt auch mal einen kleinen Liebling weg, z. B. ein Meerschweinchen. Für einen Carnivoren (= Fleischverzehrer) ist das Nahrungsspektrum sehr breit: kleine Säugetiere, Beeren und Früchte, Regenwürmer, Insekten, Vögel und deren Eier.

Im Jahre 1978 häuften sich in Winterthur Anzeigen gegen unbekannt wegen Schäden an Autos. Die polizeiliche Überwachung identifizierte nicht einen Autohasser als Täter, sondern den Steinmarder. Da in jener Zeit die Zahl der Fahrzeuge stark zugenommen hatte, wurden auch Autos in den Alltag dieses neugierigen Tiers einbezogen, und als Spielzimmer, Unterschlupf und für Markierungen genutzt. Besonders lästig wurde die Unsitte, Kabel, Schläuche und Isolationen zu zerbeissen.Studien können diesen Tick noch nicht abschliessend erklären. Vielleicht ist es bloss Ausdruck des natürlichen Erkundungs- und Spielverhaltens. Vor allem junge Marder untersuchen ihre Umgebung und testen alles mit den Zähnen. Das ist auch von anderen Raubtierjungen bekannt: Hundewelpen zerbeissen alles, was weich ist und dennoch einen gewissen Widerstand bietet.

Begegnungen mit Steinmardern sind meist zufällig und unerwartet, weshalb wenig gute Fotos zu finden ist.
Der Illustrator Ueli Iff aus Bern hat das Wesen des Steinmarders trefflich festgehalten.


29.11.2017  Christoph Vogel-Baumann

 

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Jugendnaturschutz Aare-Wiggertal Alle Jahre wieder… versammelt sich die Jugendnaturschutzgruppe in Vordemwald für den Arbeitseinsatz im Ramoos.  Viele Teilnehmer waren letzten Samstag dabei und haben tatkräftig mit angepackt. Unter der fachkundigen Leitung von Martin Zimmerli vom Naturschutzverein Strengelbach wurden Äste weggeräumt, Holz gestapelt und Bäche freigelegt, um die ehemalige Kiesgrube für all ihre vielen Bewohner winterfest zu machen.
Das Ramoos ist ein Biotop von nationaler Bedeutung. Viele verschiedene Pflanzen, Amphibien und Reptilien können dort beobachtet werden. Immer wieder verschlägt es die Jugendnaturschutzgruppe dorthin, sei es für die Arbeitseinsätze oder um den „Glögglifrosch“ zu finden.
Natürlich gab es nach der harten Arbeit auch noch ein feines Zvieri. Es war ein anstrengender Nachmittag, aber wie jedes Jahr hat es auch viel Spass gemacht. Vielen Dank noch einmal an Martin Zimmerli!

29.10.17  Saskia Leu

 

 

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Dachs  Foto: Hans Althaus

Nachts im Wald, da ist allerlei los: Käfer und Spinnen suchen am Boden nach Nahrung, Nachtfalter fliegen und müssen sich in Acht nehmen vor Fledermäusen. Rehe und Wildschweine, Eulen, Fuchs, Dachs und Marder sind unterwegs. Mit vielfältigen Anpassungen können sie sich in der Dunkelheit orientieren. Vielleicht hilft uns der nahe Vollmond, die nächtlichen Waldbewohner besser zu sehen.

Warum Katzenaugen nachts leuchten
Fährt man mit dem Auto nachts durch die Gegend, leuchtet plötzlich am Strassenrand im Scheinwerferlicht ein Augenpaar auf: Eine Katze, ein Reh oder ein Fuchs? Solche Rückstrahler kennen wir als «Katzenauge» von unserem Velo. Mit einer Art Spiegel im Augenhintergrund werden die eintreffenden Lichtstrahlen reflektiert und nochmals auf die Sinneszellen der Netzhaut zurückgestrahlt. Dies bewirkt das charakteristische Aufleuchten der Augen angestrahlter Tiere in der Dunkelheit. Insgesamt sind Katzenaugen sechsmal lichtempfindlicher als die der Menschen. Ähnliche Restlichtverstärker benutzen Forscher, Jäger und die Armee bei ihren Nachtsichtgeräten. Tagsüber sind die Pupillen der Katze zu schmalen Schlitzen verengt, während sie in der Nacht gross und rund geöffnet sind.
Nachttiere haben meist auch grosse Augen, wie etwa die Eulen und die Haselmaus. So kann mehr Licht aufgenommen werden.

Fuchs und Dachs: Meisterriecher mit exzellentem Gehör
Der Geruchssinn von Fuchs und Dachs sind ähnlich ausgeprägt wie bei gut ausgebildeten Spürhunden. Ein totes Tier kann auf grosse Distanz geortet werden.
Die Augen des Dachses sind klein für ein nachtaktives Tier, und deshalb vertraut er eher seinem Gehör und seinem Geruchssinn. Farben erkennt er nicht gut und wirklich scharf sehen kann er nur, was sich in unmittelbarer Nähe befindet.
Dachs und Fuchs sind vorwiegend nachts unterwegs, nicht nur im Wald, sondern auch im Siedlungsgebiet: Während der Fuchs in Komposthaufen und Abfallsäcken nach Fressbarem sucht, gräbt der Dachs in den Gärten Löcher in den Boden auf der Suche nach Engerlingen und Würmern. Tagsüber kommen diese Tiere fast nur im Frühsommer aus ihrem Bau. Dann warten dort eine Schar hungriger Jungtiere auf Nahrung.

Mit den Ohren sehen
Eine besondere Anpassung an die Dunkelheit haben Fledermäuse. Sie senden Rufe im Ultraschallbereich aus und nutzen sie zur Orientierung und zum Auffinden ihrer Beute. Da ihre Rufe im Ultraschallbereich liegen, sind sie für unser Ohr nicht hörbar. Erst über technische Geräte, wie etwa den "Batdetektor", der in mancher Fledermausnacht vorgeführt wird, werden die Fledermausschreie für uns hörbar: Verlangsamt und "tiefergelegt" können wir die kurzen Rufe wahrnehmen, die in der Nacht erschallen.
Auch Zugvögel sind nachts unterwegs
Die meisten Insekten fressenden Langstreckenzieher unter den Zugvögeln, wie z. B. die Grasmücken oder der Kuckuck, fliegen nachts. So gewinnen sie Zeit für die Nahrungssuche am Tag. Sie fliegen einzeln, aber bleiben durch Flugrufe in Kontakt mit Artgenossen. Oft lassen sich diese Vögel beim Durchflug vor dem Vollmond beobachten.

Blüten in der Nacht
ie meisten Pflanzen schliessen ihre Blüten, wenn es Nacht wird. Eine Ausnahme bildet die Nachtkerze. Wenn es dämmert öffnet, sie ihre bis 10 cm grossen leuchtend gelben Blüten im Zeitlupentempo. Wie Laternen leuchten nun die prächtigen Blütenstände. Gegen Mittag des folgenden Tages schliesst sich die Blüte und fällt später ab. Am Abend öffnet sich bereits die nächste. Ihr leichter Parfümgeruch lockt die Nachtfalter an. Die Pflanze wächst gerne auf Pionierböden. Nachtkerzen sind eine Zierde für jeden Garten, da sie vom Juli bis in den Oktober blühen. Im Winter besuchen Erlenzeisige gerne die dürren Blütenstände und fressen die kleinen schwarzen Samen.

Text & Fotos: Hans Althaus
 
 
 
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